Ach, was muß man oft von bösen
Kindern hören oder lesen!
Wie zum Beispiel hier von diesen,
Welche Max und Moritz hießen;
Die, anstatt durch weise Lehren
Sich zum Guten zu bekehren,
Oftmals noch darüber lachten
Und sich heimlich lustig machten.
Ja, zur Übeltätigkeit,
Ja, dazu ist man bereit!
Menschen necken, Tiere quälen,
Äpfel, Birnen, Zwetschgen stehlen,
Das ist freilich angenehmer
Und dazu auch viel bequemer,
Als in Kirche oder Schule
Festzusitzen auf dem Stuhle.
Aber wehe, wehe, wehe!
Wenn ich auf das Ende sehe!!
Ach, das war ein schlimmes Ding,
Wie es Max und Moritz ging!
Drum ist hier, was sie getrieben,
Abgemalt und aufgeschrieben.

Jungenpädagogik

 

Die Anfänge der Abenteuerschule lagen zunächst rein in der Betreuung von Jungen. Im Vergleich zur Mädchenförderung in Deutschland sahen wir die Jungen weit ins Hintertreffen geraten. Heute weisen sich die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Abenteuerschule als Spezialisten in der Genderpädagogik (einer geschlechtergetrennten Erziehung aus –Jungen werden nur männlichen, Mädchen nur weiblichen Betreuerinnen zugeteilt) und verfolgen die von uns entwickelte „Mentorenpädagogik“.

 

Mentoren sind Männer und Frauen außerhalb der Familie, die auf die Erziehung der Kinder mit Einfluss haben. Zur Beschreibung eines Mentors kann man Begriffe wie „Anwalt, Beschützer, Krieger oder Wahl-Onkel“ anführen. Sie erfüllen auch eine Dolmetscherfunktion in der Kommunikation zwischen Kindern und Eltern. Gemeinsam allen ist die ausgesprochene Schutzfunktion für das Kind. Im selben Maße aber fordert der Mentor vom Kind bessere Verhaltensweisen und fördert die in ihm angelegte Entwicklung. So werden die Treffen mit dem Mentor für das Kind und den Jugendlichen neben einer glücklichen Freizeitgestaltung auch genauso oft zu einer mühsamen Auseinandersetzung.

Mentoren sind reife Menschen mit Vorbildcharakter. Sie leben ein persönliches und praktisches Rollenverständnis über das Mann- und Frausein vor. Sie haben Mut, ein Vorbild zu sein und vertrauen ihren eigenen Aussagen gegenüber dem Kind, das wiederum staunend diese Anweisungen hört und ihm oft „einen heiligen Schrecken“ einjagen.

 

 

Die Rolle und Aufgabenbereiche eines Pädagogen, einer Pädagogin in unserer Einrichtung werden in den folgenden Zitaten prägnant deutlich:

 

„Einen Mentor zu finden ist für junge Männer heute nicht mehr einfach und viele Jungen haben überhaupt niemanden, der in ihrem Leben eine wichtige Rolle übernimmt. Jene, die sich tatsächlich in der Position eines Mentors befinden – also Sportlehrer, Onkel, Lehrer und auch Vorgesetzte -, sind ihrer Verantwortung kaum je wirklich bewusst und werden ihr nur selten gerecht. Früher war beispielsweise der Meister in einem Handwerksbetrieb ein solcher Mentor und vermittelte dem Lehrling nicht nur die nötigen Fertigkeiten, sondern klärte ihn auch über seine Pflichten sowie richtiges und falsches Verhalten auf. Das alles ist nahezu verschwunden...

 

...Ein Vierzehn- oder Sechzehnjähriger ist noch lange nicht ausreichend auf die Welt draußen vorbereitet. Er braucht weiterhin andere, die Brückenfunktionen für ihn übernehmen, und genau das ist die Aufgabe eines Mentors. Wir sollten Jugendliche dieses Alters noch nicht ausschließlich sich selbst überlassen. Aber ein Mentor ist mehr als ein Lehrer oder Erzieher: Er steht zu dem Kind in einem besonderen Verhältnis, und das gilt umgekehrt genauso. Ein Sechzehnjähriger hört selten auf seine Eltern. Doch bei einem Mentor verhält es sich anders. In dieser Lebensphase begehen junge Leute häufig ihre ersten >berühmt-berüchtigten Fehler<, und ein Mentor hat dafür zu sorgen, dass diese nicht in Katastrophen ausarten...

 

...Ein junger Mann, der auf keinen Erwachsenen zurückgreifen kann, wird auf der Straße zum Erwachsensein in eine Reihe von Schlaglöchern hineinfahren. Vielleicht verwickelt er sich bei dem Versuch, seine Unabhängigkeit zu gewinnen, sogar mit seinen Eltern in völlig unnötige Konflikte. Vielleicht zieht er sich aber auch zurück und reagiert depressiv. Jugendliche in diesem Altern stehen vor vielen Schwierigkeiten und Entscheidungen – sie müssen sich sexuell finden, sich beruflich orientieren und ihr Verhältnis zu Alkohol und Drogen klären...

 

...Das Schlimmste, was wir Heranwachsenden antun können, ist, sie alleine zu lassen. Deshalb ist es wichtig, dass Jugendliche in diesem Alter mit wirklich guten Lehrern, Trainern, Jugendgruppenleitern und anderen wohlmeinenden Erwachsenen zu tun haben... - eine ziemlich große Aufgabe.“

 

 

Auf kommunaler Ebene ist die abenteuerschule4U mit verschiedenen Projekten in der Sozialen Gruppenarbeit tätig, wie in Aktionen mit Straffälligen, dem Programm respect 4U, oder einer Zusammenarbeit mit der Schulsozialarbeit. Hier sind folgender Hintergründe wiederum ausschlaggebend:

 

„Wenn wir den jungen Leuten nicht eine Gruppe von Menschen anbieten, zu der sie gehören können, machen sie ihren eigenen Verein auf. Doch eine Gruppe, die nur aus Gleichaltrigen besteht, ist nicht genug. Vielleicht ist sie nur eine Gemeinschaft verlorener Seelen, sind ihre Mitglieder selbst hilflos und verfügen weder über das Wissen noch die Fähigkeit, sich gegenseitig zu helfen...

 

...Eine solche Gruppe stellt von seiten der Jungen den Versuch dar, sich ein Gefühl der Zugehörigkeit, der Ordnung und der Sicherheit zu verschaffen. Wann immer Sie eine bedrohlich erscheinende Jugendgang sehen, gehen Sie davon aus, dass es weit und breit keinen Erwachsenen gibt, der die Leitung übernimmt.“

 

Jungenpädagogik ist heute eine der größten Herausforderungen in unserer Gesellschaft. Da die >Wehrhaftigkeit< der Männer und Väter (Schutz der Gesellschaft und Familie, Vorbildcharakter für den Sohn/die Tochter ) weitgehend ausfällt, sind engagierte und vorbildliche Männer in der Jugend- und Familienarbeit von aller größter Bedeutung. Diesem Anspruch versuchen wir gerecht zu werden.

 

Die Zitate stammen von Steve Biddulph, dem bekanntesten australischen Familientherapeuten. Sein Buch: Jungen! Wie sie glücklich heranwachsen. Warum sie anders sind – und wie sie zu ausgeglichenen, liebevollen und fähigen jungen Männern werden